Die Eine-Welt-Musik des Hubert Laws

Hubert Laws
der Musiker Hubert Laws

Offenherzig oder auch hinter vorgehaltener Hand gestehen Jazzmusiker, wie grundlegend die klassische Musikausbildung ihrer Lehrjahre das Können auf dem Instrument geprägt hat. Jedoch gelangen die einst fleißig erarbeiteten Konzertstücke vergangener Epochen öffentlich nicht wieder aufs Pult. Bei Hubert Laws ist dies anders: Der Amerikaner ist ein lebendes wie seltenes Beispiel dafür, dass ein Musiker das Eine tun kann ohne dafür das Andere zu lassen. Mit seinem Instrument, der Querflöte – die in der Familie der Blasinstrumente im Jazz im Vergleich zu Trompete, Sax und Co. eher ein Orchideendasein fristet – legt Laws eine einmalig zweigleisige Karriere aufs Parkett. Bereits im Alter von 15 Jahren gründet er mit Joe Sample die Jazz Crusaders. Nach dem klassischen Flötenstudium an der Juilliard School spielt Laws mit dem Who is Who der Jazzgranden wie Clark Terry, Benny Golson, Ron Carter und Billy Cobham. Zeitgleich agiert er als Solo-Flötist an der Metropolitan Oper und als Konzert-Solist bei den New Yorker Philharmonikern.
Mitten in dieser Schaffensphase der Jahre 1969 bis 74 entsteht das Album Afro Classic, dessen Wort-Fusion musikalisch schlüssig eingelöst wird: So folgt den geräuschhaften, archaischen Tonrouladen in Fire And Rain bald solider Mambo-Groove, umhüllt von zeittypischen wie immer gern gehörten Rhodes-Notes. Emanzipiert vom zeitgeistigen Fusion-Fieber, sehr ausgewogen und in geschlossener Harmonie wirken Laws Bach-Bearbeitungen. Im Gerüst glockenheller Sequenzen und knarrenden Baßlinien, durch die sich reinst erzeugte Flötentöne hangeln, zaubert das Ensemble die zeitenthobene Kunst des alten Meisters hervor.
Es scheint, als wolle Laws Hommage nur eine der unzähligen Spielarten von Bachscher Musik aufzeigen, die im Spektrum zwischen Originalbesetzung und Moog-Synthesizer möglich sind. Afro Classic übersteigt den Horizont verspielter Grenzgängerei zwischen den Epochen: Dieses Album ist ein klingender Botschafter für die Vision einer ganzheitlichen Eine-Welt-Musik.

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