Wilson Pickett – der Spirit des Soul im Maßanzug

Wilson Pickett
Wilson Pickett
Wilson Pickett

1967, dem Jahr als ein Flugzeugabsturz die steile Karriere des King of Soul Otis Redding jäh beendete, trat der bis dahin weit weniger bekannte Sänger Wilson Pickett in der Fokus der schwarzen Musikbewegung. Während Redding, den mit Pickett neben dem Geburtsjahr 1947 die musikalische Grundschule der Kirchenchöre verbindet, bereits eine Anzahl von Hits gelandet hatte, war Pickett erst 1964 von Jerry Wexler beim Atlantic-Label verpflichtet worden und holte in ein paar Jahren rasant auf. Hit auf Hit folgte, unter anderem grandiose Nummern wie In The Midnight Hour und Everybody Needs Somebody To Love, die nicht nur von den Rolling Stones später gecovert wurden.
The Sound Of Wilson Pickett ist mehr als ein Versprechen. Der Titel bekennt sich zu einer radikalen musikalischen Sprache, die sich in voller Absicht vom populären Motown-Sound abgrenzt. Dass Pickett sich im hippen Maßanzug auf dem Cover zeigt, ändert nichts daran, dass seine teils selbst geschriebenen Songs vor unbändiger Kraft aus den Nähten platzen. Denn platzen – vor Wut – konnte Pickett auch im alltäglichen Leben und ging im Lauf seines Lebens manchem Kollegen mit geballter Faust an den Kragen.
Schnell wird deutlich wie die Dampfkessel-Natur und seine famose Band eine authentische schwarze Musik ohne Weichspüler auf die Beine stellen. Hits wie I Found A Love und Funky Broadway sind im Programm inbegriffen. Dieser Sound des Soul bedeutet stählerne Härte, scharfe Phrasierung und eine unentbehrliche Lautstärke, in der sich Pickett sprichwörtlich die Seele aus dem Hals schreit. Empfindsame Naturen mögen etwas Zeit benötigen, um sich an die urwüchsigen Stimm- und Rhythmusattacken zu gewöhnen. Doch die Mühe wird belohnt, wenn sich nach und nach die tiefen Strukturen genialischer Gedanken erschließen, in denen der reine Spirit of Soul wohnt.

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