Wayne Shorter: Alegria

Wayne Shorter: Alegria

Khiov Music LP 43114

Format: 2LPs 180g 33rpm / Klappcover, Beilage

Hersteller: Khiov Music

Originallabel: Verve

Veröffentlichungsdatum: 20.09.2018

Status: Neuveröffentlichung, bereits lieferbar

"Alegria" - Wayne Shorter (ss, ts); Bruce Eidem, Jim Pugh, Papo Vasquez (tb); Chris Gekker, Lew Soloff (tp); Brad Mehldau, Danilo Perez (p); John Patitucci (b); Danilo Perez (p); Brian Blade, Terri Lyne Carrington (dr); Alex Acuña (perc); u.a.

Mit "Footprints Live" von 2002 wichen fast zwei Jahrzehnte der Gerüchte über ein Wayne Shorter-'Comeback' endlich der Realität - zumindest bei vielen Kritikern, die seine Rückkehr zum hochgradig intellektuellen akustischen Post-Bop begrüßten. Doch im Nachfolger "Alegria", dem ersten rein akustischen Studioalbum von Shorter seit 1967, beginnt Shorter wieder kreativ zu werden. Die Rhythmusgruppe von "Footprints Live" - Pianist Danilo Perez, Bassist John Patitucci und Schlagzeuger Brian Blade - ist auf drei Titeln komplett vertreten. Bei anderen ist Brad Mehldau - mit seiner ganz anderen Auffassung von Klang - der Pianist, Terri Lyne Carrington unterstützt am Schlagzeug, Alex Acuna fügt Percussion hinzu, und neue, ungewöhnliche Klangfarben werden von einem Bläserensemble geliefert. Wie bei "Footprints Live" greift Shorter einige alte Kompositionen aus seiner Vergangenheit auf, aber nicht annähernd auf die gleiche Weise wie seinerzeit. In "Orbits", das vom Miles-Davis-Quintett als Post-Bop wie auf der Rennstrecke gespielt wurde, verlangsamt Shorter das Tempo und dekonstruiert die Melodie, unterstützt von einem rätselhaften Chart für die Bläser. Ebenso sind "Angola" und "Capricorn II" fast bis zur Unkenntlichkeit verändert. An diesem Punkt des 21. Jahrhunderts ist es faszinierend zu sehen, wie sowohl Shorter als auch sein ehemaliger Davis-Bandkollege Herbie Hancock ihre Vergangenheit radikal neu interpretieren, getrennt arbeiten und dabei oft denselben Bassisten und Schlagzeuger (Patitucci und Blade) benutzten und für dasselbe Label aufnahmen. Doch die Kernbotschaft dieses Albums ist, dass Shorter bereit war, zu anderen Dingen überzugehen, indem er Material von fast allem zeichnete, was seine Aufmerksamkeit erregte, während er auf Tenor- und Sopransaxophon in Bestform spielte. Mit einem wilden Wehklagen der Sopranistin führt Shorter das Album mit seinem neuen, packenden Boogaloo "Sacajawea" an, das sich bald in suchenden, fast freien Jazz verwandelt, mit einem meisterhaften Solo des Komponisten. Weiterhin hat sich endlich jemand im Jazz dafür entschieden, die beiden Stücke aus Leroy Anderson's leichtem, klassischem Meisterwerk "Serenata" zu bearbeiten und nicht nur das üppige zweite Thema - Shorter schmückt sie mit einer komplexen, federleichten Orchestrierung. Obwohl Acunas Bongos im Vordergrund auftauchen, behält Shorter das melancholische Gefühl der bekannten Arie aus Villa-Lobos' "Bachianas Brasileiras No. 5" bei, wobei der Cellist Charles Curtis eloquent den Ton angibt, bis er die Dinge in der Mitte des Tracks destabilisiert. Als er sich seinem 70. Geburtstag näherte, schien diese Scheibe einen lang ersehnten kreativen Indian Summer für Wayne Shorter zu bestätigen.

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