Das Phänomen Elaiza

Elaiza BMSELAIZA - "MARCH 28"
ELAIZA beim ESCELAIZA beim ESC
ELAISA Aufnahmesession
ELAIZA

„Wie konnte das passieren“,

wird sich das Fernseh-Publikum am Abend des 13. März 2014 verwundert gefragt haben. Kreml-Zar Putin zieht den Russen die Krim an Land, Bayern-Chef Hoeneß kassiert dreieinhalb Jahre für kreatives Steuersparen und - ja wirklich - eine unbekannte Frauen-Band schnappt sich die Lizenz für die Teilnahme am Eurovision Song Contest im Mai in Kopenhagen. Dass die frisch losspielende Gruppe „Elaiza“ nach dem Gewinn des Nachwuchs-Castings in der Vorwoche an diesem Abend auch über den Gewinn des Vorentscheids jubeln würde wie ein Monopoly-Spieler zur Ereigniskarte mit der Anweisung direkt auf Los vorzurücken, konnte niemand ahnen, aber manchen schocken. Von der geschassten Konkurrenz brauchte besonders der vom Publikum abtelefonierte Favorit Unheilig und sein massiver Fanblock den gefestigten Glauben auf musikalische Wiedergeburt.

So krachend der Durchbruch, so schnell erzählt ist die sehr junge Geschichte des Trios um Frontfrau Elzbieta (Ela) Steinmetz, die in den Berliner Valicon-Studios als Singer-Songwriter ihre Kreativität auslebt. Dort trifft die Sängerin mit polnisch-ukrainischen Wurzeln auf die Akkordeonspielerin Yvonne Grünwald. Anders als üblich lassen die Beiden die wohl dickste Lüge unter Musikern („wir müssen unbedingt etwas zusammen machen“) wahr werden und beginnen zu proben. Bald begibt sich das Gespann auf die Suche nach Verstärkung und findet in der Friesin Natalie Plöger die Frau mit dem Kontrabass.
Nach ersten Gigs in Berliner Locations zu Sammelhut-Gagen folgt die erste und bisher einzige Schallplatten-Produktion beim piekfeinen Label Berliner Meister Schallplatten. Unter dem banalen, nach dem 13. März jedoch orakelhaft vibrierenden und Frühling verströmenden LP-Titel „March 28“ generiert das Trio einen technisch perfekten, gleichwohl erdigen wie ehrlichen Volks-Sound, den Sängerin Ela mit dem Wort Neofolk auf die Formel bringt. Die Songtexte, im englischen Idiom gezirkelt und damit international kompatibel, fügen sich in angenehm verkostbare Melodien und in ein wohltuend schlank instrumentiertes, effektfreies Korsett, in dem einzig und allein die menschliche Stimme das Wort führt. Wie die Musikerinnen sind auch die Aufnahmemodalitäten hochprofessionell. Anstatt die Musik in das übliche Masterband zu wickeln, sticheln die Berliner Plattenmeister die Signale im analogen Direct-To-Disc-Verfahren in die Lackfolie. Diese Technik erlaubt keine Korrekturen, gestattet nur einen Versuch für das perfekte Ergebnis und verlangt daher von allen höchste Disziplin in der Session.

Neben den vielen hörenswerten Eigenkompositionen konserviert die LP freilich auch den Contest-Ohrwurm „Is It Right“, ein empfindsam-rustikaler Polka-Pop, mit Schmiss und Melancholie wie er unverstärkt durch Vladimir Kaminers literarisch veredelte Russendisco rocken sollte.
Elaizas audiophiles Debut, inklusive Contest-Hit ist exklusiv bei Speakers Corner erhältlich. Wer die Faszination von Elaiza direkt im Jetzt und Hier miterleben möchte, sollte zugreifen und nicht warten, bis die herrlich ausgefütterten Songs als zusammengestauchte MP3-Magerkost hohlwangig durch die virtuellen Tauschbörsen geistern. Nicht, dass am Ende vorwurfsvoll gefragt wird wie das wieder passieren konnte.



Elaiza bei: Eurovision Song Contest und elaiza.de

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