Wegweisender Jazz-Saxophonist Lee Konitz verstirbt mit 92 Jahren

Der wegweisende Jazz-Saxophonist Lee Konitz, vielleicht am besten bekannt durch seine Arbeit an Miles Davis' wichtigsten Album "Birth Of The Cool", ist laut seiner Facebook-Seite an den Folgen des Coronavirus gestorben. Konitz, ein hochproduktiver Künstler, in seiner sieben Jahrzehnte währenden Karriere für seine Improvisationskunst gefeiert, wurde 92 Jahre alt.

Der am 13. Oktober 1927 in Chicago als Leon Konitz geborene Musiker war der jüngste von drei Kindern einer jüdischen Einwandererfamilie. Schon als Kind begann er Klarinette zu spielen, bevor er zum Saxophon wechselte, dem Instrument, mit dem er seinen einzigartigen, unflektierten Stil kultivierte. Dies unterschied ihn von dem die Ära dominierenden Charlie Parker, den Konitz als Freund betrachtete. Konitz hatte Auftritte mit den Orchestern von Claude Thornhill und Stan Kenton und arbeitete mit dem Pianisten Lennie Tristano, Stan Kenton, Warne Marsh, Charles Mingus, Bud Powell und Bill Evans zusammen.

»Zum Blues konnte ich nie eine Verbindung aufbauen«, sagte er 2013 dem Wall Street Journal. »Ich kannte und liebte Charlie Parker und kopierte seine Bebop-Soli wie jeder andere auch. Aber ich wollte nicht so klingen wie er. Also benutzte ich fast kein Vibrato und spielte hauptsächlich in den höheren Lagen. Das ist das Herz meines Klangs.« Konitz war der letzte überlebende Musiker, der Teil der "Birth Of The Cool"-Sessions von Miles Davis war, die er später als weitaus arrangierter beschrieb als den Improvisationsstil, mit dem er sich einen Namen machen sollte. Wesentlich einflussreicher für Konitz' bahnbrechenden Weg waren seine Studien bei dem Pianisten Lennie Tristano, die ihn, wie er sagte, dazu brachten, »Musik ernster zu nehmen.« »Ich war nur ein Kind mit einer Art von natürlicher Begabung", sagte er 1980 gegenüber NPR. »Und er zeigte mir, in welche Richtung die Musik wirklich ging.«

»Weitere herzzerreißende Neuigkeiten für die Jazzgemeinde«, ließ Blue Note Records nach der Nachricht von Konitz' Tod verlauten. »Der 'cool toned artist'«, so heißt es im Blue Note-Biog, "hatte stets eine starke musikalische Neugier, die ihn dazu gebracht hat, immer wieder Risiken einzugehen und sich zu fordern, meist mit Erfolg. Konitz spielte und tourte bis in seine 90er Jahre hinein. Er verdiente seinen bescheidenen Lebensunterhalt als einer der großen Jazzlegenden, stellte nie Agenten oder PR-Agenten ein, aber machte auch keine Kompromisse in seiner musikalischen Ausichtung. Während seiner sieben Jahrzehnte währenden Karriere machte er Aufnahmen für Labels wie Atlantic, Prestige, Polydor und Verve. Seine Aufnahmen waren ebenso produktiv wie vielfältig und reichten von einem frühen Soloalbum für Saxophon ohne Begleitung über Post-Bop und freie Improvisationen bis hin zu einer Reihe innovativer Duette.

»Mir ging es immer um die Musik, nicht um das Showbusiness«, sagte er dem Wall Street Journal. »Ich habe auch das Glück gehabt, mein ganzes Leben damit zu verbringen, Musik zu erschaffen. Nun, das ist cool.«

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